OBD2 – Auto-Fehlerdiagnose

OBD2 – Auto-Fehlerdiagnose

Wer kennt es nicht? Da ist man mit dem Auto auf dem Weg in den Urlaub, freut sich über die ausnahmsweise freien Straßen und auf ein paar entspannte Tage oder Wochen und plötzlich blinkt die Motorkontrollleuchte auf. Nichts ist ärgerlicher als den Urlaub mit einem Besuch in der Werkstatt zu beginnen. Gut, dass es Kfz-Diagnosegeräte gibt, mit denen man selbst den Fehlerspeicher seines Autos auslesen kann, ohne dafür zwingend in eine Werkstatt fahren zu müssen.

Was heißt OBD2?

OBD ist die Abkürzung von On-Board-Diagnose und bezeichnet ein im Auto integriertes Diagnosesystem. Dieses System wurde ursprünglich aufgrund der steigenden Luftverschmutzung in Kalifornien im Jahr 1988 eingeführt. Erst im Jahr 2001 wurde die zweite Entwicklungsstufe, die OBD2 oder EOBD, als einheitliches System zur Fehlerauslese mit genormten Schnittstellen und Fehlercodes eingeführt. Dieses System ist seit 2001 für neu angemeldete Benzinfahrzeuge und seit 2004 für neu angemeldete Dieselfahrzeuge in Europa verpflichtend.

OBD2 wurde unter anderem deshalb entwickelt, weil beobachtet wurde, dass sich der Abgaswert eines Autos im Laufe der Zeit durch den Verschleiß der abgasrelevanten Teile verschlechtert. Daher muss der Abgaswert regelmäßig überprüft werden, was heute nur noch über die OBD2-Schnittstelle erfolgen darf. Mithilfe der OBD2 ist es aber nicht nur möglich die abgasrelevanten Elektronikmodule der Autos sämtlicher Hersteller zu kontrollieren, sondern auch alle anderen elektronischen Fahrzeugsysteme, wie zum Beispiel Airbag, Regensensor, Gurtsystem, Türverriegelung oder Motorkontrollleuchte, zu überwachen. Dadurch können Fehlfunktionen frühzeitig erkannt und behoben werden. Ob jedoch sämtliche Systeme der Kfz-Elektronik per OBD2 überwacht werden können, hängt von der Automarke ab, da die Fahrzeughersteller hierüber selbst entscheiden dürfen.

Was kann man mit OBD2 auslesen?

Was kann man mit OBD2 auslesen

Die OBD2 überwacht das Steuergerät selbst sowie die Ein- und Ausgangssignale und die Kommunikation zwischen den einzelnen Steuergeräten, wodurch Fehler und Störungen erkannt werden können. Hierbei werden insbesondere alle abgasrelevanten Bauteile des Fahrzeugs überwacht und deutliche Emissionserhöhungen erfasst und gemeldet. Dadurch ist es möglich dauerhaft niedrige Abgasemissionen zu garantieren und die Bauteile, zum Beispiel bei Fehlzündungen, zu schützen. Sobald ein Fehler auftritt, leuchtet die Motorkontrollleuchte (MIL, eng. Malfunction Indicator Light) auf und der Fehler wird im Fehlerspeicher des Steuergeräts abgespeichert, wo er diagnostisch ausgewertet wird. Die gespeicherten Informationen zu den aufgetretenen Fehlern können genauso wie Echtzeitdaten und andere Informationen über die Diagnoseschnittstelle des Autos ausgelesen werden.

Zusätzlich zu den abgasrelevanten Systemen können mit Hilfe der OBD2 auch die elektronischen Systeme überwacht werden. Welche bei einem bestimmten Fahrzeug überwacht werden können, hängt davon ab, über welche Systeme der Fahrzeughersteller Auskunft geben möchte.

 Dabei können die folgenden Information per OBD2 zur Verfügung gestellt werden: 
  • Effizienz des Katalysators
  • Funktion der Lambdasonde
  • Abgasrückführung
  • Geschwindigkeit in km/h
  • Aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung
  • Außentemperatur in Grad Celsius
  • Verbrennungswerte
  • Sekundärluftsystem
  • Benzinverbrauch in Liter pro 100 km
  • Derzeitiger Standort
  • Spannung in Volt
  • Drehzahl in Umdrehungen pro Minute
  • Tankentlüftungssystem
  • Motorlast in Prozent
  • Temperatur des Kühlwassers in Grad Celsius
  • Aktuell eingelegter Gang

An welchen Autos gibt es eine OBD2-Schnittstelle?

An welchen Autos gibt es eine OBD2-Schnittstelle

Eine OBD2-Schnittstelle befindet sich in allen Fahrzeugen mit Benzinmotor, die ab 2001 zugelassen sind, und in allen ab 2004 zugelassenen Dieselfahrzeugen. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen, die dieses Diagnosesystem schon früher eingeführt haben, beispielsweise Volkswagen im Jahr 1996. Die Schnittstelle für den OBD2-Stecker im Auto ist allerdings oft nur schwer zu finden, da sie an verschiedenen Stellen im Innenraum des Fahrzeugs hinter Abdeckungen versteckt eingebaut sein kann, meistens jedoch unter dem Aschenbecher oder unter dem Armaturenbrett. Dies kann man jedoch normalerweise für den jeweiligen Fahrzeugtyp schnell im Internet nachlesen.

Wie funktioniert die Fehlerauslese über einen OBD2-Stecker?

Wie funktioniert die Fehlerauslese über einen OBD2-Stecker

Grundsätzlich gesehen gibt es OBD2-Stecker in verschiedenen Preiskategorien mit mehr oder weniger Funktionen. Im gehobenen Preisbereich können Daten über die OBD2-Schnittstelle nicht nur gelesen, sondern auch geschrieben werden. Letzteres sollte allerdings dringend den Experten überlassen werden, da der Laie im schlimmsten Fall durch eine falsche Codierung das gesamte Steuergerät lahm legen kann. Um einen Fehler auszulesen, muss die Zündung des Autos eingeschaltet sein, es ist aber nicht notwendig den Motor zu starten. Anschließend wird der Fehlerspeicher über den Stecker ausgelesen, woraufhin ein oder mehrere Fehlercodes ausgegeben werden. Diese Fehlercodes sind jedoch nicht immer eindeutig und das Fehlerauslesegerät kann häufig nur Standardcodes auslesen und keine herstellerspezifischen Werte. Diese Standardcodes bestehen aus einem Buchstaben und vier Zahlen.

 Der Buchstabe codiert hierbei die Herkunft des Fehlers: 
  • i P für Powertrain (Antriebsstrang)
  • i B für Body (Karosserie)
  • i C für Chassis (Fahrgestell)
  • i U für User Network (Netzwerk)

Die vier Zahlen geben Aufschluss über die Herkunft innerhalb des durch den Buchstaben codierten Systems, z.B. 1 für die Luft-Kraftstoff-Dosiersteuerung oder 4 für die zusätzliche Emissionskontrolle, sowie über den genauen Grund des Fehlers.

Bei den OBD2-Adaptern wird zudem zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden, einerseits gibt es sie mit dazugehörigem OBD2-Diagnosegerät und andererseits in Verbindung mit einer App fürs Smartphone oder Tablet.

Bei der ersten Variante zeigt das Auto-Diagnosegerät den Fehlercode an, allerdings nicht grundsätzlich was dieser Code bedeutet. Dies ist vor allem bei den günstigen Geräten (erhältlich für 15 – 60 Euro) der Fall, bei denen man auf eine aufwendige Recherche im Internet zurückgreifen muss. Außerdem lesen die günstigen Geräte die Fehler häufig nicht korrekt aus, da hierfür eine billige chinesische Kopie des Chips „ELM327“ verwendet wird, für die es keine passende Software gibt. Für ein gutes Diagnosegerät muss man ca. 80 – 120 Euro ausgegeben, je nachdem wie tiefgehend die Diagnose sein soll. Die teureren Auto-Auslesegeräte lesen die Fehler zuverlässig aus und liefern direkt eine gute Übersetzung des Fehlercodes und teilweise sogar weitere nützliche Informationen zum Fehler und dem weiteren Vorgehen. Sobald ein Fehler behoben wurde, ist es erforderlich diesen über das Diagnosegerät zu löschen, damit die fahrzeuginterne Elektronik nicht weiter blinkt und piept, obwohl der Fehler behoben bzw. der Schaden repariert wurde. Bei einigen Systemen, z.B. Airbag, ist dies sogar zwingend notwendig, damit sie wieder ordnungsgemäß funktionieren.

Bei der zweiten Variante wird der OBD2-Adapter über Wifi oder Bluetooth mit dem Smartphone oder dem Tablet verbunden. Anschließend kann der Fehlerspeicher dann über eine App ausgelesen werden. Auch hierbei hängt die Auslesetiefe stark von der Preiskategorie des OBD2-Steckers ab. Günstige Stecker haben häufig keine eigene App und verwenden allgemeine, kostenlose Apps. Allerdings funktioniert hierbei die Kommunikation zwischen App und Stecker oft nicht reibungslos, da sie nicht aufeinander zugeschnitten sind. Die teureren Adapter verfügen über eine eigene App mit einer hohen Auslesetiefe und Zusatzinformationen zu den Fehlern, für die aber häufig ein Abo abgeschlossen werden muss.

Fazit und Blick in die Zukunft

Wenn Sie sich den teuren und möglicherweise unnötigen Weg in eine Werkstatt sparen wollen, ist ein OBD2-Adapter genau das Richtige für Sie, da hiermit der genaue Grund einer blinkenden Motorkontrollleuchte und die Schwere des Fehlers identifiziert werden können. Besonders Adapter aus dem teureren Preissegment sind hier sehr hilfreich, da sie nützliche Zusatzinformationen zu den Fehlern ausgeben. Bei der Wahl eines Adapters mit App sollte man allerdings besonders darauf achten, dass die Daten geschützt werden und möglichst nur auf Servern in Deutschland gespeichert werden. Daher sollte man hier besonders auf das Gütezeichen „Made in Germany“ achten. Es gibt bereits Gerüchte darüber, dass an der nächste Entwicklungsstufe, OBD3, geforscht wird. Mit OBD3 sollen die Fehler dann nicht mehr nur gespeichert werden, sondern automatisch per Satellit an die zuständigen Behörden geleitet werden. Diese überwacht dann, ob der Fehler innerhalb einer bestimmten Frist behoben wird, andernfalls kommen auf den Fahrzeughalter Bußgelder zu. Es ist allerdings ungewiss, ob diese Technik jemals zur Marktreife gelangt, da sich die Entwickler schon von Anfang an mit zu hohen Kosten, nicht flächendeckendem Empfang und einem großen Sicherheitsrisiko herumschlagen müssen.

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