Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP): Wie funktioniert dieses Sicherheitssystem?

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP): Wie funktioniert dieses Sicherheitssystem?

Viele moderne PKWs verfügen über ein elektronisches Stabilitätsprogramm, kurz ESP. Den meisten Fahrern ist es jedoch gar nicht bewusst, wann diese Steuerung aktiv eingreift und welchen Zweck diese eigentlich verfolgt. Daher wollen wir Ihnen mit diesem Artikel die Grundprinzipien sowie die ESP-Funktion in Ihrem Auto erklären. Dabei beginnen wir mit einer grundsätzlichen Definition des Begriffs und seiner Bedeutung bevor wir uns mit der Funktionsweise auseinandersetzen. Schlussendlich zeigen wir Ihnen auch, welche Probleme und Defekte grundsätzlich auftreten können und wie Sie diese beseitigen (lassen) bzw. vermeiden können.

Die Definition Ihres ESP-Systems

Die Definition Ihres ESP-Systems

Wenn im Zusammenhang mit PKWs über das so genannte ESP gesprochen wird, dann geht es im Allgemeinen um das so genannte elektronische Stabilitätsprogramm. Dieses ist, grob gesagt, eines der wichtigsten modernen aktiven Sicherheitssysteme und inzwischen sehr weit verbreitet. Alle neu ab November zugelassenen Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen müssen in der EU über dieses Sicherheitssystem verfügen. Zuvor war es noch ausreichend, wenn die Wagen lediglich ein Antiblockiersystem, kurz ABS, an Bord hatten. Doch welche Bedeutung hat das ESP für Ihr Auto? Grundsätzlich hat dieses Sicherheitssystem die Aufgabe, das Schleudern Ihres Wagens bestmöglich zu verhindern. Dies gelingt durch eine Überwachung des Fahrverhaltens und des Abgleichs mit den Lenkbefehlen, welche der Fahrer gibt. Wird dabei eine größere Abweichung festgestellt, nutzt das ESP das gezielte Abbremsen einzelner Fahrzeugräder, um die Spur zu halten bzw. diese zu korrigieren. So könnte man davon sprechen, dass das ESP Ihr Auto durch das Bremsen lenkt.

Welche Bauteile gehören zu einem ESP-System?

Um zu verstehen, was das ESP Ihres Autos ist, sollten Sie zunächst dessen Bestandteile kennen. Analog zum ebenfalls obligatorischen ABS verwendet auch das ESP im Auto Drehzahlsensoren an den einzelnen Fahrzeugrädern. Anhand dieser weiß das System, wie schnell sich die einzelnen Räder drehen und ob die Eingriffe des Systems den gewünschten Erfolg haben. Doch für eine korrekte Reaktion benötigt Ihr ESP eine Vielzahl an weiteren Sensordaten. So wird die Lenkradstellung mit Hilfe des Lenkwinkelsensors erfasst. Darüber hinaus gibt es einen Beschleunigungssensor für die Fahrzeugquerbeschleunigung (spricht beim Wegrutschen Ihres Wagens an), aber auch den so genannten Gierratensensor, um zu erfassen, ob Ihr Fahrzeug ungewünschte Drehbewegungen ausführt (Stichwort: Schleudern). Weitere Komponenten umfassen Schnittstellen zu anderen Fahrzeugsystemen, wie Motor und Getriebe, ein komplexes Steuergerät sowie eine Pedal-unabhängige Hydraulikpumpe zum gezielten Abbremsen einzelner Fahrzeugräder.

Wie arbeitet Ihr ESP im Auto?

Nun folgt eine Erklärung der Funktion des ESP im Auto nachdem Sie jetzt alle relevanten ESP Sensoren kennen. Aktiv ist dieses System immer dann, wenn das ESP-Symbol im Auto aktiv ist. Ansonsten bemerken Sie in der Regel die Eingriffe nicht. Dies ist auch ein wichtiger Unterschied zu Ihrem ABS, denn bei dessen Aktivität lässt sich leicht das „Stottern“ des Bremspedals wahrnehmen. Leuchtet die ESP-Lampe bei Ihrem Auto dauerhaft, so kann dies auf einen Defekt des ESPs Ihres Autos hindeuten. Ein kurzes Aufleuchten des ESP-Zeichens beim Starten ist hingegen in der Regel normal.

EPS Lampe

Die Eingriffe Ihres ESP-Systems basieren darauf, dass das Steuergerät berechnet, wie sich Ihr Fahrzeug bei der entsprechenden Lenkradstellung verhalten müsste. Erkennt der Computer dabei eine Abweichung von den tatsächlich gemessenen Werten bzw. der Fahrzeugspur, so greift dieser entsprechend ein. Dies wird durch die zusätzlich vorhandene, zweite Bremsenhydraulikpumpe erreicht. Damit ist es Ihrem ESP möglich, die Räder auch ohne Pedaldruck gezielt zu verlangsamen.

Was ist das ESP in Ihrem Auto und was kann es leisten?

Schlussendlich dient dieses aktive Sicherheitssystem, welches inzwischen bei modernen Fahrzeugen gesetzlich vorgeschrieben ist, der Verhinderung von Unfällen. Dabei greift es oftmals dann ein, wenn der Fahrer eine Situation, sein Können oder das Verhalten des eigenen Wagens falsch eingeschätzt hat. Daher sollten Sie das Aufleuchten der ESP-Lampe im Auto immer als Warnzeichen dafür verstehen, dass Sie Ihren Wagen gerade in dessen Grenzbereich fahren. Am effektivsten funktioniert dieses System beim Vermeiden von Schleuderbewegungen und dem Ausbrechen Ihres Wagens. Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, dann kann durch das ESP häufig zumindest die Unfallschwere reduziert werden. Während bei einem Kontrollverlust ohne ESP meist die Fahrzeugflanke gegen ein Hindernis prallt, wird das Fahrzeug besser in der Bahn gehalten, sodass eher die Front mit dem Hindernis zusammenstößt. Dabei ist die Fahrzeugfront meist deutlich besser als die Fahrzeugflanke geschützt, wovon alle Fahrzeuginsassen profitieren.

Defekte Ihres ESP im Auto

Fast alle Komponenten, insbesondere auch die einzelnen Sensoren sind absolut notwendig, um eine korrekte Funktion dieses Fahrzeugsystems sicherzustellen. Daher prüft das Steuergerät beim Fahrzeugstart auch gang genau, ob alle Subsystem korrekt arbeiten. Sollten dabei auch nur geringe Abweichungen vom Standard erkannt werden, so wird Ihr ESP in der Regel deaktiviert. Dies wird Ihnen auch durch die entsprechenden Warnleuchten kenntlich gemacht. In diesem Fall muss der Fahrzeugfehlerspeicher ausgelesen werden, denn dort wird vermerkt, aufgrund welches Ereignisses das ESP abgeschaltet wurde.

Defekte Ihres ESP im Auto

Solche Arbeiten und auch die anschließenden Reparaturen sollten Sie Ihrer Fachwerkstatt überlassen, denn dort arbeiten Experten, welche genau im Umgang und in Bezug auf die Reparatur solcher komplexen Systeme geschult wurden. Dabei sollten Sie bedenken, dass ein defektes ESP immer ein Sicherheitsrisiko darstellt, genau wie ein festsitzender Bremssattel oder eine Überhitzung der Bremsscheiben.

Fazit

Sollte Ihr Auto über ein ESP verfügen, so können Sie sich glücklich schätzen, denn dieses kann die Sicherheit beim Fahren erheblich verbessern. Wie beschrieben geht es dabei darum, sicherzustellen, dass die einzelnen Räder Ihres Autos immer gut an der Straßenoberfläche haften können. Dabei lassen sich einzelne Räder abbremsen, so dass Ihr Wagen brav in seiner Spur bleibt. Somit kommt es seltener dazu, dass Ihr Auto über- oder untersteuert.

Ein Tipp von AUTODOC: Im Winter kann es sich lohnen, das ESP auszuschalten, wenn Sie einen eingeschneiten Berg hinauffahren wollen. Das ist damit begründet, dass Sie die maximale Motorleistung brauchen, um möglichst effektiv voranzukommen. Stellt nun das ESP aber fest, dass Ihre Räder keine gute Haftung haben, so reduziert es das Motordrehmoment, welches auf die einzelnen Fahrzeugräder übertragen wird. Dieser Radschlupf des Autos ist auf verschneiten Bergen jedoch normal, sodass es helfen kann, die elektronische Stabilitätskontrolle nur für den Anstieg zu deaktivieren. Im Anschluss sollten Sie dieses aber nach Möglichkeit umgehend wieder aktivieren.

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