Was ist ein Wechselkennzeichen

Was ist ein Wechselkennzeichen

Viele Haushalte entscheiden sich heutzutage für ein Zweitfahrzeug, damit die ganze Familie mobil ist, das Carbio bzw. der Oldtimer nur im Sommer/bei schönem Wetter/am Wochenende gefahren werden kann oder ein eigenes Wohnmobil für den nächsten Urlaub genutzt werden kann. Daher stellt sich oft die Frage, ob man ein Kennzeichen für zwei Autos benutzen kann. Und für alle, die sich hier eine Einzelzulassung sparen möchten, gibt es seit Juli 2012 eine gute Nachricht, da ein Nummernschild in Deutschland eingeführt wurde, mit dem man zwei Fahrzeuge fahren kann. Wenn du ein Kennzeichen für zwei Autos verwendest, kannst du oft Kosten und Aufwand bei Versicherung und Zulassung sparen. Welche anderen Vorteile und möglichen Nachteile ein Wechselkennzeichen hat, wie dieses funktioniert, wie es aussieht, was es kostet und wie du es beantragen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Wie funktioniert ein Wechselkennzeichen und wie sieht es aus?

Mit der Einführung des Wechselkennzeichens am 1. Juli 2012 erhoffte sich der Gesetzgeber, den Kauf von spritsparenden Kleinwagen oder umweltschonenden Elektrofahrzeugen für Kurzstrecken attraktiver zu machen und gleichzeitig die Automobilindustrie durch die steigende Zahl der Autokäufe anzukurbeln. Denn mit diesem speziellen Nummernschild kannst du gleich 2 Autos anmelden und zusätzlich noch Kosten bei der Versicherung sparen. Das hat auch gegenüber einem Saisonkennzeichen den Vorteil, dass du beide Fahrzeuge das ganze Jahr über flexibel nutzen kannst. Dazu musst du das Wechselkennzeichen vor Fahrtbeginn lediglich an dem Fahrzeug anbringen, mit dem du fahren möchtest, während das andere in deiner Garage oder auf deinem privaten Stellplatz stehen bleibt. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass nur ein Fahrzeug mit vollständigem Kennzeichen für den Straßenverkehr zugelassen ist, da das jeweils andere rechtlich als abgemeldet gilt, weshalb es nicht auf öffentlichen Straßen oder Parkplätzen abgestellt werden darf. Tust du dies doch, kann ein Bußgeld in Höhe von 40 € und ein Punkt in Flensburg auf dich zukommen. Wird ein Fahrzeug ohne vollständiges Wechselkennzeichen gefahren, wird es noch einmal 10 € teurer.

Aber was heißt nun eigentlich „vollständiges Wechselkennzeichen“? Es ist zwar möglich ein Nummernschild für 2 Autos zu verwenden, dieses ist jedoch zweiteilig aufgebaut. Denn auch Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen müssen vom TÜV regelmäßig geprüft und zugelassen werden. Daher besteht dieses besondere Nummernschild aus einem Haupt- und einem Nebenkennzeichen. Während letzteres fest am Fahrzeug befestigt ist, kann ersteres flexibel zwischen den beiden Fahrzeugen gewechselt und in der dafür vorgesehenen Halterung befestigt werden. Das Hauptkennzeichen ist ähnlich aufgebaut wie ein ganz normales Nummernschild: Eurofeld, Stadt- bzw- Bezirkskennzeichen, Landeswappen, Buchstaben- und Ziffernreihe. Ein Unterschied zum herkömmlichen Kennzeichen ist der Buchstabe „W“, der sich oberhalb des Landeswappens befindet. Die HU-Prüfplakette, die normalerweise hier angebracht wird, befindet sich auf dem festen Nebenkennzeichen zusammen mit der letzten Ziffer des Kennzeichens, die sich zwischen den Fahrzeugen unterscheidet. So hat das eine Auto beispielsweise das Kennzeichen „B AB 4567“ und das andere „B AB 4568“. Ist eines der Fahrzeuge ein Oldtimer oder ein E-Auto befindet sich außerdem der Zusatz „H“ bzw. „E“ auf dem festen Teil, auf dem auch das zugehörige Hauptkennzeichen in Kleinschrift angegeben ist, damit es nur in Verbindung mit diesem verwendet werden kann.

Welche und wie viele Fahrzeuge können mit einem Wechselkennzeichen gefahren werden?

Wer sich nun dazu entscheidet, ein Kennzeichen für mehrere Autos zu verwenden, sollte sich im Vorfeld über die Beschränkungen bezüglich der Gültigkeit dieses Nummernschildes informieren. Es dürfen sich nämlich maximal zwei Fahrzeuge ein Wechselkennzeichen teilen, die Nummernschilder mit denselben Maßen haben sowie derselben Fahrzeugklasse angehören.

 Und auch hierbei ist die Gültigkeit auf die drei folgenden Klassen begrenzt: 
  • i Fahrzeugklasse L: Zwei- oder dreirädrige Kraftfahrzeuge (Motorrad, Leichtkraftrad, Trike) und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge mit einem maximalen Leergewicht von 550 kg (Quads, Pkw mit einer maximalen Geschwindigkeit von 45 km/h)
  • i Fahrzeugklasse M1: Fahrzeuge, mit denen Personen befördert werden können und die zusätzlich zum Fahrersitz maximal acht weitere Sitzplätze haben (Autos, Oldtimer, Wohnmobile)
  • i Fahrzeugklasse O1: Anhänger mit einem maximalen Gesamtgewicht von 0,75 Tonnen

Daraus ergeben sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, wie beispielsweise Motorrad-Trike, Motorrad-Quad, Pkw-Oldtimer oder Pkw-Wohnmobil. Auch zwei Anhänger dürfen sich ein Kennzeichen teilen, wenn sie nicht gleichzeitig im Straßenverkehr verwendet werden. Ein Auto kann sich jedoch niemals ein Nummernschild mit einem Motorrad oder einem Anhänger teilen. Außerdem sind Saisonkennzeichen, Ausfuhrkennzeichen, Kurzzeitkennzeichen und rote Kennzeichen von dieser Option ausgeschlossen.

Vor- und Nachteile eines Wechselkennzeichens

Bei der Überlegung, ob sich die Anmeldung dieses speziellen Kennzeichens überhaupt lohnt, wird jedoch häufig schnell deutlich, dass ein Wechselkennzeichen kaum Vorteile bringt. Denn aufgrund der Beschränkung auf zwei Fahrzeuge, die derselben Fahrzeugklasse angehören und zudem nicht gleichzeitig bewegt werden dürfen, ist die tatsächliche Zielgruppe, für die dieses Nummernschild in Frage käme, relativ gering. Dieses Kfz-Doppelkennzeichen lohnt sich daher hauptsächlich für Personen, die über ein Sommer- und ein Winterauto (zum Beispiel ein Cabrio für die warmen Sommermonate) verfügen. In diesem Fall bietet ein Wechselkennzeichen den Vorteil, dass das Cabrio auch spontan an überraschend schönen Tagen in den Wintermonaten gefahren werden kann. 

Auch für Besitzer von Oldtimern, die nur zu besonderen Anlässen und bei schönem Wetter gefahren werden, oder Halter von Wohnmobilen kann es sinnvoll sein, zwei Autos auf ein Kennzeichen anzumelden. Wenn du mehrere Anhänger mit einem maximalen Gesamtgewicht von 0,75 Tonnen oder mehrere Motorräder besitzt, kann sich ein Wechselnummernschild für dich auch lohnen. 

Allerdings grundsätzlich unter der Voraussetzung, dass die beiden Fahrzeuge niemals zur gleichen Zeit bewegt werden und du über einen Privatparkplatz bzw. eine Garage verfügst, da das Fahrzeug ohne vollständiges Kennzeichen nicht auf öffentlichen Straßen/Parkflächen abgestellt werden darf. Müsstest du dafür extra einen Parkplatz mieten, wird der Vorteil des Kennzeichens oft sehr schnell zum Nachteil. Dies ist auch der größte Kritikpunkt am Wechselkennzeichen, da in Deutschland für beide Fahrzeuge die volle Kfz-Steuer gezahlt werden muss, obwohl jeweils immer nur eins genutzt werden darf und diese Steuer eigentlich zur Nutzung öffentlicher Straßen berechtigt. 

Auch bei der Kfz-Versicherung kann im Gegensatz zu anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich und Schweiz (hier müssen Kfz-Steuer und Versicherung nur für das teurere Fahrzeug gezahlt werden) kaum Geld gespart werden, da beide Fahrzeuge versichert werden müssen. Zwar bieten viele Versicherungen für diesen speziellen Fall Rabatte an, diese belaufen sich aber eher auf 10 % bis maximal 25 % anstatt auf erwartete 50 %, da immer nur ein Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen darf.

Wie kann ich ein Wechselkennzeichen beantragen?

Wenn du zwei Fahrzeuge derselben Klasse hast, die niemals gleichzeitig gefahren werden, du einen Parkplatz in deiner Garage oder auf deinem privaten Grundstück hast und du dich nach Abwägung der Vor- und Nachteile für eine Zulassung mit Wechselkennzeichen entschieden hast, solltest du dir zunächst Angebote von verschiedenen Versicherungen einholen. Denn auch, wenn sich zwei Autos ein Kennzeichen teilen, benötigen beide eine gültige Versicherung und die Sondertarife für diesen speziellen Fall variieren teilweise sehr stark.

 Anschließend musst du zur Anmeldung mit den folgenden Unterlagen zu deiner zuständigen Zulassungsstelle gehen: 
  • i eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung) beider Fahrzeuge
  • i Vorab oder vor Ort ausgefüllter Zulassungsantrag
  • i SEPA-Lastschriftmandat für die Zahlung der Kfz-Steuer
  • i Zulassungsbescheinigung Teil 1 und 2 (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief für beide Fahrzeuge
  • i Gültige HU- und Abgasbescheinigung für beide Fahrzeuge
  • i Personalausweis oder Pass
  • i Meldebescheinigung (Unternehmen benötigen zusätzlich noch die Gewerbeanmeldung sowie einen Auszug aus dem Handelsregister)
  • i Bei bereits angemeldeten Fahrzeugen die alten Kennzeichen

Für die Anmeldung von 2 Autos mit einem Kennzeichen musst du mit Kosten in Höhe von 105 € (65 € Verwaltungsgebühren und 40 € für die 6 Nummernschilder, 4 feste Nebenkennzeichen und 2 wechselbare Hauptkennzeichen) rechnen.

Fazit

Wenn du mit einem Kennzeichen zwei Autos fahren möchtest, solltest du vor dem Gang zur Zulassungsstelle zuerst überprüfen, ob du die Voraussetzungen dafür erfüllst. Denn wenn du zwar über zwei Fahrzeuge verfügst, die aber auch mal gleichzeitig benutzt werden müssen oder unterschiedlichen Fahrzeugklassen angehören, oder du keinen privaten Parkplatz bzw. keine Garage für das jeweils abgemeldete Fahrzeug zur Verfügung hast, ist es für dich leider nicht möglich bzw. Nicht sinnvoll 1 Kennzeichen für 2 Autos zu verwenden. Außerdem sind auch die finanziellen Vorteile dieses Nummernschildes sehr gering, weshalb sich in manchen Fällen doch eher ein eigenes Kennzeichen für jedes Fahrzeug oder ein Saisonkennzeichen empfiehlt.

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